Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat nach einem Bericht von Decrypt einen Plan zur Nutzung von Kryptowährungen und Blockchain-Netzwerken angefordert, um Israel bei der Umgehung möglicher Bankensanktionen zu unterstützen[1]. Diese Ankündigung erfolgte am 23. Oktober 2026 in einem Interview auf Israels Channel 10, vier Tage vor den nationalen Wahlen des Landes[1].
Das ist passiert
Netanjahu äußerte sich in dem Interview zu der Notwendigkeit, sich auf das Ende der US-Verteidigungshilfe vorzubereiten und alternative Wirtschaftsstrategien zu entwickeln[1]. Die aktuelle US-Verteidigungshilfe in Höhe von 3,8 Milliarden US-Dollar pro Jahr läuft im September 2028 aus[1]. Er betonte, dass Israel sich auf einen 'Regentag' vorbereiten müsse und Blockchain eine der Alternativen sei, um Sanktionen zu umgehen[1].
Die Äußerungen Netanjahus fallen in eine Zeit, in der Israel mit zunehmenden internationalen Sanktionen und Handelsbeschränkungen konfrontiert ist[1]. Das Vereinigte Königreich hat Anfang September 2026 Importe aus israelischen Siedlungen verboten und Sanktionen gegen am Bau beteiligte Personen und Unternehmen verhängt[1]. Elf weitere Länder, darunter Frankreich und Kanada, beabsichtigen laut dem Bericht, den Handel mit Siedlungsgütern einzuschränken[1].
Mehr als 60 israelische Ökonomen und ehemalige Beamte warnten laut einem von Decrypt zitierten Ynet-Bericht, dass Maßnahmen gegen Siedlungen im Westjordanland sich auf die gesamte Wirtschaft ausweiten und die Lebenshaltungskosten erhöhen könnten[1].
Im November 2024 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen angeblicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza[1]. Netanjahu hat erklärt, dass Israel diese Haftbefehle nicht anerkennen wird[1]. Eine UN-Untersuchungskommission kam im September 2025 zu dem Schluss, dass Israel in Gaza Völkermord begeht[1].
Israel selbst hat am 1. Juli 2026 Sanktionsanordnungen für 37 Krypto-Wallets unterzeichnet, die dem Iran gehören sollen[1].
Die Zahlen
| Posten | Wert | Einheit | Stand |
|---|---|---|---|
| US-Verteidigungshilfe | 3.8 | Milliarden US-Dollar | jährlich, bis September 2028 |
| Wert sanktionierter Krypto-Wallets | 24 | Millionen Schekel | 1. Juli 2026 |
Quelle der Tabelle: [1]
Einordnung
Die Diskussion über den Einsatz von Kryptowährungen zur Umgehung von Sanktionen ist nicht neu. Länder wie der Iran und Nordkorea wurden in der Vergangenheit beschuldigt, digitale Vermögenswerte für ähnliche Zwecke genutzt zu haben. Netanjahus Äußerungen zeigen, dass auch etablierte Staaten die potenziellen Möglichkeiten von Blockchain-Technologien in Betracht ziehen, um ihre wirtschaftliche Souveränität in einem zunehmend komplexen geopolitischen Umfeld zu wahren. Die Ankündigung kurz vor den Wahlen könnte auch als politisches Signal an die Wähler verstanden werden, die Stärke und Unabhängigkeit Israels zu betonen.
Was das bedeutet
Sollte Israel tatsächlich einen Krypto-Plan zur Umgehung von Bankensanktionen umsetzen, könnte dies weitreichende Implikationen für das globale Finanzsystem haben[1]. Es würde die Rolle von Kryptowährungen als alternatives Finanzinstrument in geopolitischen Konflikten weiter stärken und möglicherweise andere Länder ermutigen, ähnliche Strategien zu verfolgen[1]. Gleichzeitig könnte dies die Debatte über die Regulierung von Kryptowährungen und die Durchsetzung internationaler Sanktionen neu anfachen[1]. Für Bitcoin und andere dezentrale Netzwerke könnte dies eine Bestätigung ihrer Fähigkeit sein, außerhalb traditioneller Finanzstrukturen zu funktionieren[1].
Was noch offen ist
Netanjahu hat bisher keine Details zu dem angeforderten Plan bekannt gegeben[1]. Es ist unklar, wer diesen Plan ausarbeitet, welche spezifischen Kryptowährungen oder Blockchain-Netzwerke verwendet werden sollen oder wann der Plan fertiggestellt sein könnte[1]. Auch die Frage, ob ein solcher Plan tatsächlich genehmigt und umgesetzt wird und welche konkreten Auswirkungen er auf die israelische Wirtschaft und das internationale Finanzsystem hätte, bleibt offen[1].
Hinweis der Redaktion
Diese Meldung ist bisher nicht von einer zweiten, unabhängigen Quelle bestätigt. Sie stützt sich auf folgende Quellen:
Wer sich für das Thema interessiert, prüft die Quellen am besten selbst (DYOR: Do Your Own Research).