In der folgenden Unterhaltung begegnen sich zwei Gesprächspartner auf der Avenue de la Grande Armée in Paris. Die Szenerie, ein Spaziergang durch eine bekannte Pariser Straße mit Blick auf den Arc de Triomphe, bildet einen auffälligen Kontrast zum Thema, das sie diskutieren wollen: Religion, genauer gesagt Islam, religiöse Autoritäten und deren gesellschaftliche Wirkung. Einer der Gesprächspartner stellt sich als Bilal Husen vor, der in sozialen Netzwerken unter dem Namen „Ali Babal“ auftritt. Er bezeichnet sich selbst provokativ als „laizistischer Imam“ und erklärt, dass er als Ex-Muslim öffentlich und mit Klarnamen den Islam kritisiert. Sein Ziel sei es, den Islam zu „entsakralisieren“, die Deutungshoheit religiöser Autoritäten zu schwächen und sowohl Muslimen als auch Nichtmuslimen zu zeigen, dass es in Frankreich normal und akzeptabel sei, den Islam zu verlassen und ein Leben außerhalb religiöser Vorschriften zu führen.
Er berichtet, er habe 25 Jahre lang als Muslim gelebt und im Laufe der Zeit zahlreiche religiöse Inhalte kennengelernt, die er heute als widersprüchlich, problematisch oder absurd empfinde. Dieses Material habe er in einem Buch gesammelt, das „Incroyable Islam“ heißt. Das Werk wird von ihm als satirisch beschrieben, wobei er gleichzeitig betont, dass zwischen seinem satirischen Stil und dem Ton mancher religiöser Predigten nur ein geringer Unterschied bestehe. Der Gesprächspartner, der ihn interviewt, bestätigt, dass das Buch seiner Ansicht nach einen besonders niederschwelligen Zugang bietet, um islamische Lehren, Überlieferungen und religiöse Denkweisen nachzuvollziehen, unabhängig davon, ob man Muslim sei oder nicht.
Bilal erläutert, dass er aus Syrien stammt und seine Kritik nicht primär als Angriff auf einzelne Gläubige versteht, sondern als Kritik an einem System religiöser Autorität und an Texten, die seiner Meinung nach Gewalt und Ungerechtigkeit legitimieren. Er beschreibt, dass viele Muslime, insbesondere in mehrheitlich muslimischen Ländern, die religiösen Quellen kaum selbst lesen, sondern Islam vor allem durch mündliche Weitergabe in Familie, Umfeld und Moschee erfahren. In dieser Form würden problematische Aspekte oft ausgeblendet oder relativiert. Imame und religiöse Lehrer würden, so Bilal, häufig nur jene Teile zitieren, die zur jeweiligen Botschaft passen, und gleichzeitig vieles verschweigen oder beschönigen. Dadurch entstünde eine Diskrepanz zwischen dem gelebten Alltagsislam und dem Inhalt klassischer Quellen.
Ein zentrales Motiv seiner Argumentation ist die These, dass der Islam, genauer: bestimmte Ausprägungen, insbesondere der sunnitische Islam, den er als dominierend beschreibt, Menschen daran gewöhnen könne, dass ihnen Rechte entzogen werden, ohne dass sie dies als Entzug wahrnehmen. Als Beispiel nennt er das Heiratsrecht: In traditionellen islamischen Rechtsvorstellungen dürfe eine muslimische Frau keinen Nichtmuslim heiraten. In Frankreich hingegen könne eine Frau, unabhängig von Religion, grundsätzlich selbst entscheiden. Bilal deutet dies als „Rücknahme eines Rechts“ durch religiös begründete Normen. Er betont, dass viele Gläubige solche Einschränkungen nicht als Verlust, sondern als Tugend oder als moralische Ordnung interpretieren. Seine These lautet, dass Menschen auf diese Weise Schritt für Schritt daran gewöhnt würden, ihre Rechte nicht als unverhandelbar zu betrachten.
Der Gesprächspartner fragt nach den politischen Konsequenzen: ob Muslime in Frankreich, unter bestimmten Bedingungen, eher bereit wären, autoritäre Systeme zu akzeptieren. Bilal antwortet vorsichtig und verweist darauf, dass Frankreich durch staatliche Strukturen und Gesetze geschützt sei. Er argumentiert jedoch, dass bestimmte religiöse Mechanismen Menschen anfälliger machen könnten, autoritäre Strukturen hinzunehmen. Er beschreibt mehrere Faktoren, die aus seiner Sicht dazu beitragen: Erstens werde „Ignoranz sakralisiert“. Er nennt als Beispiel den Satz „Allah weiß es am besten“, der in religiösen Kontexten als Begründung genutzt werde, um Fragen zu vermeiden oder Diskussionen zu beenden. Statt nach Ursachen zu suchen oder Wissen zu erweitern, könne sich ein Gläubiger damit zufriedengeben, dass Gott ohnehin alles wisse. Bilal illustriert dies mit religiösen Erzählungen über die Herkunft der Menschheit, die in manchen Glaubenslehren auf Adam und Eva zurückgeführt werde. Wer eine solche Antwort als endgültig akzeptiere, werde weniger motiviert, empirische Forschung oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu suchen. Er ergänzt, dass in vielen Familien und religiösen Milieus Kinder für kritische Fragen bestraft oder entmutigt würden, was eine generelle Abwehrhaltung gegenüber Zweifel und Untersuchung fördern könne.
Zweitens spricht er davon, dass religiöse Normen nicht nur politische Rechte betreffen, sondern auch sehr persönliche Lebensbereiche. Er nennt etwa die Sexualmoral: Flirten, lockere Gespräche oder Beziehungen außerhalb der Ehe würden religiös als verboten oder moralisch verwerflich dargestellt. Er verweist auf Begriffe wie „Unzucht der Augen“ oder „Unzucht der Ohren“, die in Predigten vorkämen, um bereits den Blickkontakt oder harmlose Kommunikation zwischen Männern und Frauen zu sexualisieren und moralisch zu belasten. Dadurch entstehe ein Alltag, in dem Menschen sich ständig kontrollieren und schuldig fühlen müssten. Als weiteres Beispiel nennt er Schlaf und Tagesrhythmus: Der Islam verlange frühes Aufstehen für das Morgengebet. Bei Kindern werde Gebet ab einem bestimmten Alter erwartet; in manchen Überlieferungen werde sogar körperliche Züchtigung empfohlen, wenn sie nicht beten. Bilal bewertet dies als Eingriff in grundlegende Bedürfnisse und als frühe Gewöhnung an äußeren Druck.
Drittens thematisiert er, dass in einer religiösen Ordnung politische Beteiligung in Frage gestellt werde. Er nennt Diskussionen darüber, ob Wahlen „halal“ oder „haram“ seien, als Zeichen dafür, dass Bürgerrechte nicht selbstverständlich, sondern abhängig von religiösen Deutungen seien. In manchen islamischen Vorstellungen gebe es statt demokratischer Wahl einen religiös legitimierten Führer, etwa einen Kalifen, der nicht durch Wahlrotation, Gewaltenteilung oder pluralistische Kontrolle gebunden sei. Wer in einem solchen Denkmuster sozialisiert werde, könne sich daran gewöhnen, nicht aktiv an der Gestaltung der Gesellschaft mitzuwirken, weil „Autoritäten“, religiöse oder politische, alles vorgäben.
Viertens führt Bilal das Motiv einer jenseitigen Gerechtigkeit an. Wer stark an eine endgültige Gerechtigkeit nach dem Tod glaubt, könne im Diesseits eher passiv bleiben, selbst wenn er Ungerechtigkeit erlebe. Für Diktatoren sei eine solche Haltung von Vorteil, weil sie den Widerstand schwäche. In diesem Zusammenhang beschreibt er seine Erfahrungen aus Syrien: In manchen Regionen gebe es extrem wenig Strom oder Wasser, und viele Menschen suchten die Schuld nicht bei lokalen Machthabern, sondern bei äußeren Feindbildern wie „Israel“ oder „den Juden“. Bilal stellt dies als Beispiel dafür dar, dass Menschen, die die Struktur des Problems nicht erkennen oder nicht benennen dürfen, auch keine Lösung entwickeln können.
Er widerspricht jedoch einer verbreiteten Annahme: Er sagt, der Islam produziere nicht in erster Linie Terroristen, sondern vor allem Menschen, die gegenüber Gewalt und Autoritarismus passiv seien. Terrorismus sei zwar real und werde durch bestimmte Texte legitimiert, doch die größere gesellschaftliche Wirkung liege darin, dass eine Mehrheit nicht aktiv widerspreche. Der Interviewer entgegnet, dass viele Terroristen in Frankreich sich auf den Islam berufen. Bilal stimmt zu und nennt Beispiele aus Überlieferungen, etwa die Aussage, dass jemand, der den Islam verlässt, getötet werden solle. Er bezeichnet dies als Gewalt gegen Gedankenfreiheit. Er erklärt, warum es so wenige Ex-Muslime gebe, die offen sprechen: weil Sanktionen nicht nur staatlich, sondern auch sozial oder familiär erfolgen könnten. Neben physischen Bedrohungen gebe es soziale Isolation, Ausschluss aus Gemeinschaften und wirtschaftliche Nachteile.
Bilal spricht außerdem über die Verherrlichung des Martyriums. In Überlieferungen werde derjenige als besonders gottgefällig dargestellt, der in den Kampf ziehe, töte und selbst getötet werde. Er beschreibt, dass in manchen religiösen Milieus die Vorstellung verbreitet sei, der Tod sei „besser“ als das Leben, das Diesseits sei eine Prüfung, und die Welt sei nur eine Durchgangsstation. Diese Haltung könne dazu führen, dass Menschen weniger Motivation hätten, ihre Lebensumstände hier und jetzt zu verbessern. Er vergleicht dies mit einer mentalen Logik, die sinngemäß lautet: „Warum das Bett machen, wenn ich es abends wieder zerstöre?“, übertragen auf ein ganzes Leben. Er bezeichnet diese Sichtweise als apokalyptisch und gesellschaftlich lähmend.
Der Gesprächspartner versucht, den Fokus zu klären: Bilal fordert nicht zwingend, dass Menschen ihren Glauben an Gott aufgeben, sondern dass sie sich von religiösen Autoritäten emanzipieren und ihre Rechte und Freiheiten höher gewichten als religiöse Vorschriften. Bilal sagt, für ihn sei das der Kern: Autorität werde in der Praxis von Menschen ausgeübt, von Imamen, religiösen Gelehrten, Influencern, Familienmitgliedern oder Institutionen. Gott selbst greife nicht in öffentliche Infrastruktur, Gesundheitsversorgung oder politische Systeme ein. Wenn Gläubige sich von den menschlichen Autoritäten lösen könnten, entstünde Raum für ein freieres Leben. Gleichzeitig räumt er ein, dass schon das Infragestellen eines einzigen Elements im Islam einen Prozess auslösen könne, weil der Islam sich selbst als perfektes System darstelle. Sobald ein Gläubiger eine „Unvollkommenheit“ zulasse, beginne ein Zweifel, der sich ausweiten könne.
Besonders ausführlich wird die Diskussion beim Thema „Angst“ und religiöse Drohkulissen. Bilal beschreibt, dass in islamischen Erzählungen häufig über Strafe, Folter und Hölle gesprochen werde. Die Vorstellung, schon im Grab bis zum Jüngsten Tag bestraft zu werden, präge viele Menschen von klein auf. Dadurch entstünden paranoide Denkweisen: Gläubige würden sich ständig fragen, ob sie etwas falsch gemacht haben und dafür bestraft werden. Bilal erwähnt Beispiele, in denen schon kleine rituelle Fehler, etwa eine bestimmte Handhaltung beim Gebet, dazu führen könnten, dass ein Mensch angeblich alle Gebete „ungültig“ gemacht habe. Solche Erzählungen verstärkten Angst und Abhängigkeit. Wenn man religiöse Autoritäten lächerlich mache oder ihre Aussagen kritisch beleuchte, könne die Angst schwinden, und mit ihr die Bindung an die Autorität.
In der zweiten Hälfte des Gesprächs kommt es zu einem längeren Exkurs über das Kopftuch. Bilal kritisiert eine verbreitete Verteidigungsstrategie: Manche sagten, der Schleier sei nicht im Koran vorgeschrieben, daher könne man nicht behaupten, er sei verpflichtend. Bilal hält dagegen, dass im sunnitischen Islam die Praxis nicht allein aus dem Koran abgeleitet werde, sondern vor allem aus der Sunna, also der prophetischen Tradition. Viele zentrale Rituale, Gebet, Fastenregeln, Detailvorschriften, seien nicht vollständig im Koran beschrieben, dennoch seien sie verpflichtend. Deshalb könne man nicht argumentieren, dass etwas irrelevant sei, nur weil es nicht explizit im Koran stehe.
Er erzählt dann eine Überlieferung, die er als besonders bezeichnend empfindet: Ein Gefährte des Propheten namens Umar habe darauf gedrängt, dass die Frauen des Propheten sich verschleiern sollten. In der Erzählung wird beschrieben, dass eine Frau des Propheten nachts hinausging, um ihre Notdurft zu verrichten, und Umar sie erkannt und angesprochen habe. Bilal interpretiert dies als Form von Belästigung. Er betont, Umar habe explizit gesagt, er habe so gehandelt, um Gott dazu zu „bewegen“, einen Vers über den Schleier herabzusenden. In der Logik dieser Erzählung sei der Schleier also nicht aus einem spirituellen Prinzip entstanden, sondern aus dem Drang eines Mannes, Frauen stärker zu kontrollieren und zu markieren. Bilal und sein Gesprächspartner diskutieren die Absurdität, dass ein solches Problem, Belästigung beim Toilettengang, nicht durch Schutz der Frauen oder Bestrafung der Belästiger gelöst werde, sondern durch eine Vorschrift, die Frauen selbst betrifft. Bilal deutet das als Verschiebung der Verantwortung und als Legitimierung von Kontrolle über weibliche Körper.
Er führt die Geschichte weiter aus: Am nächsten Tag habe die Frau sich vollständig verhüllt, doch Umar habe sie dennoch erkannt und erneut angesprochen. Schließlich habe der Prophet angeblich verkündet, dass Frauen „die Erlaubnis“ hätten, draußen ihre Notdurft zu verrichten. Bilal kommentiert dies ironisch als Zeichen eines Gottes, der sich mit sehr banalen, zugleich aber symbolisch wichtigen Fragen beschäftigt, während er die gesamte Struktur der Belästigung unangetastet lasse. Für Bilal ist diese Geschichte ein „Test der Unterwerfung“: Wenn Menschen bereit seien, solche Begründungen zu akzeptieren, würden sie auch andere Vorschriften ohne Hinterfragen befolgen. Er richtet sich rhetorisch an verschleierte Frauen und an Familien und fragt, ob sie sich durch solche Ursprungsnarrative respektiert fühlten.
Im weiteren Gespräch beschreibt Bilal historische und juristische Elemente, die er als Gewalt- oder Unterdrückungsmechanismen im klassischen Islam sieht. Er spricht über Krieg, Plünderungen und Sklaverei in frühen islamischen Quellen, über Beuteanteile und sexuelle Verfügbarkeit von Gefangenen. Er betont, dass religiöse Texte solche Praktiken nicht nur beschreiben, sondern in Rechtssysteme überführen, wodurch sie normativen Charakter erhalten. Er verweist darauf, dass Mohammed in den Quellen als ideales Vorbild gilt und dass man daher nicht einfach sagen könne, diese Praktiken seien nur „zeitbedingt“, wenn gleichzeitig behauptet werde, das Vorbild sei zeitlos und perfekt.
In diesem Zusammenhang spricht er über die Heirat Mohammeds mit Aisha, die in traditionellen Überlieferungen als sehr jung beschrieben wird. Bilal nennt dies als extremes Beispiel dafür, dass Handlungen, die heute als Missbrauch bewertet würden, in religiösen Texten nicht nur vorkommen, sondern als Teil eines vorbildhaften Lebens dargestellt werden. Er erwähnt, dass es in einigen Ländern politische Debatten über Kinderehen gebe und dass religiöse Akteure sich teils gegen strengere Gesetze wehrten. Er deutet an, dass manche Regeln formal verboten würden, aber durch Ausnahmen weiterhin möglich blieben, etwa wenn ein Mädchen schwanger sei oder Familien zustimmten.
Ein weiterer Strang des Gesprächs betrifft das Verhältnis von Religion, Migration und Integration. Der Gesprächspartner bringt die Perspektive ein, dass Islam und Migration in Frankreich historisch eng verbunden seien. Er argumentiert, dass durch Einwanderung aus mehrheitlich muslimischen Ländern die Zahl der Muslime gestiegen sei, weshalb die Themen nicht getrennt werden könnten. Bilal ist in dieser Frage vorsichtiger: Er betont, dass es problematisch sei, Menschen automatisch aufgrund ihrer Herkunft als Anhänger einer Religion zu kategorisieren, und dass das zentrale Kriterium nicht „Muslim oder nicht“ sein sollte, sondern ob jemand die Grundrechte und Freiheiten einer demokratischen Gesellschaft über religiöse Gebote stellt. Er sagt, viele Probleme könnten entschärft werden, wenn religiöse Führungspersonen in Moscheen konsequent demokratische Werte, Bürgerpflichten und individuelle Rechte betonten. Sein Eindruck sei jedoch, dass diese „Gegenpädagogik“ häufig nicht stark genug stattfinde.
Gleichzeitig zeigt sich Bilal offen dafür, dass gesetzliche Maßnahmen notwendig sein können. Er nennt als Beispiele das Verbot der Vollverschleierung und die Bekämpfung von Zwangsheirat, Genitalverstümmelung oder religiös begründeter Gewalt gegen Kinder. In seiner Sicht müsse es eine Kombination aus klaren Gesetzen und langfristiger Bildung geben. Er warnt davor, reine Härte oder Gewalt als Lösung zu betrachten, weil dies langfristig zu einem anderen Autoritarismus führen könne. Er sagt, eine Gesellschaft müsse darauf achten, nicht im Kampf gegen religiösen Totalitarismus selbst totalitär zu werden.
Am Ende fasst Bilal seine Position zusammen. Er bezeichnet den sunnitischen Islam als schädlich und begründet dies mit dem Hinweis, dass in vielen Ländern, in denen Islam eine starke Rolle spiele, die Menschen litten, auch wenn sie den Zusammenhang nicht immer erkennen oder akzeptieren wollten. Er wiederholt seine zentrale Forderung: Menschen sollten lernen, kritisch zu denken, religiöse Autoritäten zu hinterfragen und sich an universellen Rechten und Freiheiten zu orientieren. Für ihn ist Aufklärung der Schlüssel: Viele Missverständnisse entstünden, weil Menschen die Quellen nicht kennen, weil Muslime oft nicht selbst lesen und weil Nichtmuslime entweder aus Angst oder aus politischer Vorsicht nicht offen kritisieren. Er sieht sich als Teil eines langfristigen Projekts, das auf Bildung, Debatte und offenen Widerspruch setzt, auch gegen den Druck von Gemeinschaften oder die Gefahr, als „islamophob“ etikettiert zu werden.
Die Unterhaltung endet nicht mit einer endgültigen Lösung, sondern mit dem Eindruck, dass beide Gesprächspartner ein Problem wahrnehmen, aber unterschiedliche Zugänge betonen. Bilal hält eine langfristige kulturelle und pädagogische Auseinandersetzung für entscheidend, während sein Gesprächspartner zeitweise stärker die unmittelbare Empörung und die gesellschaftliche Reaktion betont. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Frage stellen, wie eine pluralistische Gesellschaft mit religiösen Ideologien umgehen soll, die in Teilen als autoritär interpretiert werden können, und wie man dabei sowohl die Rechte der Individuen als auch die Stabilität einer demokratischen Ordnung schützt.